5. Fachtag des Hospiz Stuttgart am 17.02.2010

"Wir alle sind Hospiz - Kompetenz für das Leben und Sterben" 

Eine Veranstaltung für Ehrenamtliche und Hauptamtliche, die sich in der Begleitung von Schwerkranken, Sterbenden und deren Angehörigen engagieren.

Rund 1.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus ganz Deutschland verbrachten am 17.02.2010 in der vollbesetzten Filderhalle in Leinfelden-Echterdingen einen interessanten und anregenden Tag beim 5. Fachtag des Hospiz Stuttgart. Neben kritischen Worten zur Situation der Betreuung von schwer kranken und sterbenden Menschen trugen auch viele Beispiele aus dem Pflegealltag dazu bei, auf humorvolle Weise deutlich zu machen, auf was es bei der Hospizarbeit und der Palliative Care ankommt: auf die Wahrnehmung der Betroffenen und ihrer Angehörigen. Beschwingt und gestärkt von einem gelungenen Tag verließen nach den Vorträgen, Workshops, Gesprächen und dem liturgischen Abschluss die TeilnehmerIn­nen die Filderhalle.

Nach der musikalischen Begrüßung durch die Cellisten Uriel und Levan Stülpnagel betonte Dr. Annedore Napiwotzky, stellvertretende Leiterin des Hospiz Stuttgart und Leiterin der Elisabeth-Kübler-Ross-Akademie, in ihrer Begrüßung*), dass der Titel „Wir alle sind Hospiz″ nicht zufällig an „Wir sind das Volk″ erinnert. Die Hospizbewegung ist auch eine Bürger­bewegung und es gilt, sie gegen „Trittbrettfahrer“, die sich der Begriffe „Palliative Care″ und „Hospiz″ bedienen, abzugrenzen. Immer häufiger stelle sie fest, dass hinter diesen Begriffen reines Gewinnstreben versteckt ist und die angebotenen Leistungen mit der Hospizidee überhaupt nichts zu tun haben. Sie rief die ehren- und hauptamtlich tätigen Teilnehmer­Innen auf, die spezifischen Merkmale der Hospizarbeit gegen solche Angriffe selbstbewusst zu vertreten.

Im Grußwort*) der Schirmherrin, der Bundesministerin Dr. Ursula von der Leyen, wurden die vielseitigen Verdienste des Hospiz Stuttgart hervorgehoben und die Wichtigkeit der Arbeit, gerade auch der Ehrenamtlichen, betont. In seinem Grußwort betonte auch Ministerialdirektor Thomas Halder vom Baden-Württembergischen Ministerium für Arbeit und Soziales, wie wichtig die Arbeit der Hospize und besonders auch die Begleitung der Kranken und ihrer Angehörigen durch die ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer sei.
 
Stadtdekan Hans-Peter Ehrlich, der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Hospiz und kommissarische Gesamtleiter des Hospiz Stuttgart, wies in seiner Einführung auf die überregionale Bedeutung dieser Veranstaltung hin.  

Er begrüßte die Referentin des ersten Vortrags*), Cornelia Knipping, die über die Situation der Hospize und deren Zukunft berichtete. Ganz besonders wichtig ist Frau Knipping, dass in der Betreuung der sterbenden Menschen, in der Palliative Care, die Beziehung zu den Betroffenen im Vordergrund bleibt. Der Mensch dürfe nicht zum Fall werden, sondern muss als individuelle Persönlichkeit wahrgenommen werden! Deshalb ist es wichtig, dass die Hospize diese Haltung verbreiten und beibehalten gegen die Bestrebungen, alles zu managen und zu standardisieren. Menschliche Beziehungen sind ein Geschenk und sind jeweils individuell zu pflegen, also nicht standardisierbar!
 

Im zweiten Vortrag*) stellte Kay Preuß dar, auf welcher Basis häufig kritische Entscheidungen am Lebensende getroffen werden müssen und wie Einrichtungen und Betroffene durch eine intensive und ergebnisoffene Kommunikation vorsorgen können, dass in solche Entscheidungen mehr Verantwortliche einbezogen und damit letzlich bessere Entscheidungen getroffen werden können.
 

Die Arbeitsgruppen am Nachmittag boten Berichte aus unterschied­lichen Einrichtungen und Lebenssituationen. ReferentInnen aus der Praxis berichteten über ihre Tätigkeit und ihre Erfahrungen und gaben Hinweise und Tipps für die Betreuung von z. B. Menschen im Wachkoma oder Menschen mit Demenz. Lebhafte Diskussionen und Beiträge zum Erfahrungs­austausch kennzeichneten diese Veranstaltungen.

Der Tag klang in der Filderhalle Leinfelden-Echterdingen aus in einer Liturgie mit Stadtdekan Hans-Peter Ehrlich: „Wir gehen weiter auf dem Weg″, musikalisch begleitet von der Combo „Pahoë”.


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