Aromapflege hat eine intensive Wirkung auf alle Ebenen des Menschen. Dabei kommen unterschiedliche Anwendungsformen zum Einsatz. Im Stationären Erwachsenenhospiz hat die Aromapflege eine lange Tradition. Die reinen ätherischen Öle wurden in den letzten Jahren den Gästen als Aromawaschung angeboten. Es ist ein Angebot an die Gäste, das angenommen, aber auch abgelehnt werden kann. Die Anwendung der Aromapflege setzt in jedem Fall eine gute Fachkenntnis voraus. Nina Bongartz ist exam. Krankenschwester, Palliativ-Care Fachkraft und Expertin für anthroposophische Pflege. Sie ist seit 4 Jahren im Stationären Erwachsenenhospiz tätig und u.a. zuständig für alternative Pflegemethoden wie Wickel und Auflagen und Aromapflege. Nina Bongartz gibt uns einen Einblick in die Praxis der palliativen Aromapflege.

Nina Bongartz: „Da jede Nase anders ist, lässt es sich über „gute“ Düfte streiten. Deshalb ist es für uns wichtig, daß wir sie nicht „ungefragt“ am Gast anwenden.


Aromawaschung
Im Frühdienst lerne ich einen neuen Gast kennen und erzähle ihm von der Aromawaschung. Wenn er zustimmt, gehe ich zu unserer Schublade mit den ätherischen Ölen und spüre nach: Wie spricht der Gast? Welche Stimmung hat er? Was fehlt? Was würde ihm jetzt vielleicht gut tun? Dann rieche ich an mehreren Ölen und suche ein bis drei ätherische Öle aus, die ich ihm anbiete, ohne die Etiketten zu zeigen, so daß seine Nase sich für ein Öl entscheiden kann. Die Aromawaschung wirkt je nach ätherischem Öl und Situation sehr verschieden: erleichternd, erhellend, die Mimik und die Atmung verändern sich, oft zeigt sich ein Lächeln, Ruhe kehrt ein oder das Aufstehen fällt leichter.

Bei einer Inhouseschulung, zum Thema Aromapflege, die uns die Strube Stiftung großzügiger Weise finanziert hat, erfuhren wir sehr viel Neues, u.a. was ein Riechstift ist: eine Art Lippenstifthülse, die man öffnen kann, wenn man den Duft riechen möchte, aber auch schließen, wenn es „genug“ ist.


Riechstift
Ich pflegte einen schwerkranken, jungen Vater, der sich in einer akuten seelischen Krise befand. Er war stumm, verzweifelt und trauerte auch darüber, daß er sich bald von seinem kleinen Sohn verabschieden musste.Ich bot ihm drei Öle an. Er entschied sich ganz klar für Grapefruit. Es wirkt seelisch stabilisierend, mobilisiert Reserven, hilft bei innerer, seelischer Lähmung und bei Einsamkeit. Als ich ihm das Öl in den Stift geträufelt hatte, hielt er den Stift glücklich und wie eine Art Anker in seiner rechten, nicht gelähmten Hand.“

Text: Nina Bongartz / J.Neumann-Maile

Fotos: Reiner Pfisterer / J.Neumann-Maile