Seit Anfang Februar empfangen uns die keramischen Arbeiten der Künstlerin Amei Unrath-Ruof im Eingangsbereich des Stationären Erwachsenenhospizes in der Stafflenbergstraße. Eine Glasvitrine beherbergt die handgefertigten Einzelstücke und lädt die Gäste und Mitarbeiter*innen zum Verweilen und genauen Betrachten ein.

Form, Struktur und Oberfläche der Keramiken machen neugierig. Das Handwerk bietet für die Künstlerin viele Möglichkeiten im Umgang mit dem sehr traditionellen Material Ton und Porzellan. Der Umgang damit ist nicht einfach.
Als formbare Materie zeigt sich Ton oftmals entsprechend der menschlichen Natur und ist für die Künstlerin daher faszinierend beweglich und vielschichtig, aber auch eigensinnig, widerspenstig und widersprüchlich. Daher ergibt sich ein direkter Zusammenhang zur Darstellung von Körperlichkeit und des menschlichen Abbilds.

„Ton ist Erde und hat einen direkten Zusammenhang mit der Erde auf der wir leben. Wir sprechen oft von Ton: von Ton als Material für Geschirr zum Beispiel, als Ziegel für Häuser oder vom musikalischen Ton, – einem Klang der vergeht. Und auch vom guten Ton. Mich interessieren diese Symbolkraft und die Vielfältigkeit der Möglichkeiten. Wenn es uns dann gelingt, die Erde zu formen, sie zu bebauen, zum Blühen zu bringen oder zum Klingen wie die Musik,  – dann haben wir einen „guten Ton“ getroffen.“ beschreibt Amei Unrath-Ruof.

Die aktuellen Ausstellungsstücke umfassen eine Engel-Skulptur und zwei Schalen-Objekte.

Die Schalen haben eine besondere Geschichte. Amei Unrath-Ruof erzählt: „Ich habe vor Jahren an einer Figur gearbeitet. In diesem Zusammenhang wurde mir der Begriff des Schädels wichtig. Der wörtliche Zusammenhang besteht bis heute: „Schale – Schälchen – Schädel“. Die Schädel-Kalotte ist die Ur-Schale neben den zum Gefäß geformten Händen, aber bei der Schädel-Schale geht es nicht um Nahrung, sondern um  „geistiges schöpfen“, um „Fassen und Lassen“. Porzellan hat als Material für Symbol-Gefäße eine besondere Ausstrahlung: so wie ein  Parfum die Essenz einer Blüte ist, ist Porzellan die Essenz von Ton und hat dadurch eine besondere Intensität des Ausdrucks. Es kann zart und zerbrechlich sein, so wie man sich den Kopf zerbrechen kann, aber auch stark und schützend – genauso wie der Knochen, der das Gehirn schützt.

 

Für die Schalen verwendet die Künstlerin unterschiedliche Porzellane aus Limoge in Frankreich und mischt eine Masse aus verschiedenen Bestandteilen, die eine bewegte, elliptische Formgebung erlaubt. Bei etwa 1300 Grad formt sich die Schale im Feuer zum Oval aus, dann wird die Form fest. Anschließend wird die Glasur aufgetragen und erneut gebrannt. Diesmal bei  geringerer Temperatur, je nachdem, ob die Glasur steinig oder glänzend ist. Dann wird auf die Glasur das Gold oder Platin aufgetragen und ein letztes Mal dem Feuer überlassen.

Die Flügel der Engel-Skulptur zeigen im Grunde auch eine Schale im Querschnitt, sodaß neben der allgemeinen Schutz-Symbolik auch hier das Thema „Fassen und Lassen“ als Lebenserfahrung und Motto zum Tragen kommt.

Amei Unrath-Ruof lebt und arbeitet in Baltmannsweiler-Hohengehren. Nach dem Studium an der Freien Kunstakademie Nürtingen war sie 2002 als Artist-in-Residence zu einem Studien- und Arbeitsaufenthalt nach Shigaraki/Japan eingeladen und eröffnete im Anschluss daran ein eigenes Atelier. Mehr Information zur Künstlerin und ihrem Werk gibt es hier: www.art-ceramic.net

Wir bedanken uns ganz herzlich bei der Künstlerin und freuen uns über die Leihgaben, die in den nächsten Monaten im Stationären Erwachsenenhospiz in der Stafflenbergstraße zu sehen sind.

Fotos: Amei Unrath-Ruof