„Der Weg der Trauer ist einer der schwierigsten Wege, den wir in unserem Leben gehen müssen.“
Chris Paul

Seit über 25 Jahren arbeite ich auf der Station für Erwachsene in der Stafflenbergstraße und begleite dort Sterbende und deren Familien in ihrem Abschied nehmen und in ihrer Trauer. Meine Weiterbildung zur Trauerbegleiterin an der Elisabeth-Kübler-Ross-Akademie® half mir, beruflich und auch privat Erlebtes zu reflektieren und mit theoretischem Wissen anzureichern. Wir sprachen über Formen der Trauer, Symptome der Trauer, Möglichkeiten und Techniken der Gesprächsführung, wie man Trauergruppen leiten kann und über unsere Haltung Trauernden gegenüber. Ein wesentlicher Bestandteil der Weiterbildung war die Auseinandersetzung mit unserer eigenen Trauer, mit unseren eigenen Abschieden im Laufe unseres Lebens.

Was ist mir wichtig geworden?
Trauer ist eine natürliche und ganzheitliche Reaktion auf einen Verlust oder Abschied, eine schmerzhafte Leere oder ein nicht gelebtes Leben. Trauer beschränkt sich nicht nur auf den Tod einer mir wichtigen Person, sondern bezieht sich auch auf die Beendigung eines Lebensabschnittes (wie eine Trennung, eine Scheidung, der Auszug eines Kindes, Umzug, Kündigung oder Wechsel eines Arbeitsplatzes, vom Kindergarten in die Schule etc.). Trauer beginnt, wenn das Gewohnte zerbricht, wenn das „Alte“ nicht mehr fortgesetzt werden kann (wie die Diagnose einer lebensbedrohlichen Erkrankung). Trauer ist eine ganzheitliche Reaktion. Sie betrifft Leib und Seele! Trauer kommt und geht in Wellen. Sonst könnten wir sie nicht aushalten. Trauer ist ein Prozess. Sie ist lebensbegleitend. Trauer ist immer individuell!

Was wünschen sich Trauernde?
Sie wünschen sich ein Gegenüber, das sie in ihrem Seelenschmerz und mit ihren Tränen aushält. Einen Menschen, der ihnen Halt gibt durch bloßes Da-sein und der ihnen zuhört oder mit ihnen schweigt und weint. Sie wünschen sich ehrliche Anteilnahme, eine mitfühlende und authentische Begleitung. Sie möchten und müssen immer wieder vom Verstorbenen und dessen Sterben erzählen dürfen. Das braucht Raum und Zeit und ist Balsam für die Seele, hilft zum Verarbeiten und Verabschieden. Der Verstorbene wird immer wieder „hergeholt“ und kann vielleicht irgendwann einmal einen neuen Platz im Leben ohne ihn bzw. mit ihm in einer anderen Weise bekommen. Sie wünschen sich das Gespräch mit anderen Trauernden sowie Unterstützung im Auffinden eigener Ressourcen. Für das alles braucht es Zeit sowie einen geschützten Raum bzw. Rahmen!

Diesen Raum und diese Zeit bieten Karina Schaffrynski und ich für die Hinterbliebenen des Stationären Erwachsenenhospizes im Rahmen einer Trauergruppe an. „Trauer im Gespräch“ heißt unsere monatlich stattfindende Trauergruppe.

Theresia Frank-Kaufmann
Pflegefachfrau Palliative Care, Klangschalentherapeutin, Trauerbegleiterin, Musiktherapeutin i.A.